14.02.2023 - 4 Integration durch Sport

Beschluss:
zur Kenntnis genommen
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Beratung

Vors. Erdas bittet Herrn Telli, den TOP zu erläutern.

Herr Telli schildert zunächst die Ausgangslage: 2007 hat der Rat der Stadt Oberhausen einen ersten Beschluss zur Umsetzung des Kommunalen Integrationskonzepts Oberhausen (KIKO) gefasst. In den folgenden Jahren gab es Berichte zur Umsetzung, Ratsbeschlüsse und Ansätze für eine Strategische Steuerung, welche die Arbeits- und Beteiligungsstruktur in dem Handlungsfeld und die Zusammenarbeit in diesem Handlungsfeld betreffend, abgesteckt haben.

Herr Telli zitiert einen Absatz aus dem Kommunalen Integrationskonzept von 2007, der die Bedeutung des Sports für Integration und Zusammenleben zusammenfasst: „Der Sport ist im Lebensalltag ein bedeutsamer Bereich der Begegnung und damit unter integrationsrelevanten Gesichtspunkten ein äußert wichtiger Teil einer gemeinsamen Alltags- und Freizeitkultur. Über und im Sport werden zugleich Konflikte ausgetragen und kanalisiert.“ (KIKO, S. 72). Bereits 2007 wurden Handlungsempfehlungen geäußert, die nach wie vor die Arbeit in dem Handlungsfeld prägen. Herr Telli nennt hier: 1. Die Förderung interkultureller Kompetenz im Sportbereich; 2. Die Förderung von bedarfsorientierter Zugangserleichterung Zugewanderter im Sport; 3. Die Förderung des interkulturellen Austauschs und der Begegnung durch Sportangebote.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat sich 2007 ein Netzwerk gebildet, in dem das Kommunale Integrationszentrum, der Stadtsportbund Oberhausen und der Integrationsrat als zentrale Akteure in der Arbeit vertreten sind und sich mit weiteren Akteuren wie Vereinen und freien Trägern mit der Thematik befassen.

Vors. Erdas bittet Herrn Glahn zu berichten.

Herr Glahn bearbeitet im Kommunalen Integrationszentrum das Aufgabengebiet Integration durch Sport und gibt Einblicke in dieses Feld und die Arbeit, die geleistet wird. Neben der zuvor von Herr Telli beschriebenen Ausgangslage nennt er allgemeine Zielsetzungen der Arbeit in dem Bereich: Das integrative Potenzial der Sportvereine für alle Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte gleichermaßen auszuschöpfen. Es gehe darum, den Zugang zum organisierten Sport zu erleichtern, bspw. durch niedrigschwellige Angebote, Schaffung von Anreizen oder Qualifizierungen. Entlang der zuvor genannten Handlungsempfehlungen haben sich verschiedene Handlungsstränge entwickelt, die gemeinsam mit weiteren Akteuren im „Netzwerk Integration durch Sport“ umgesetzt werden. Das Netzwerk besteht aus den Gründungsmitgliedern Kommunales Integrationszentrum, Stadtsportbund Oberhausen und Integrationsrat sowie weiteren Akteuren wie dem SC Rot-Weiß Oberhausen, dem Behindertensport Oberhausen, dem Bereich 2-5/Sport und dem Deutschen Roten Kreuz. Das Netzwerk sei dabei dynamisch; je nach Projekt sind weitere Akteure involviert, z.B. Grundschulen oder Aquapark. Die Arbeit im Netzwerk ermögliche es, über verschiedene Kanäle zielgenau die Menschen und Akteure zu erreichen, die für ein Zustandekommen von Angeboten notwendig sind.

Herr Glahn nennt als allgemeine Aufgaben die Vernetzung von Akteuren, die Abstimmung von Maßnahmen, die Entwicklung von Schwerpunkten und Zielsetzungen sowie die strategische Weiterentwicklung des Handlungsfelds. Anschließend stellt er ausgewählte Handlungsstränge vor, die sich entwickelt haben:

1. Qualifizierung interkultureller Übungsleiter*innen

      Interkulturelle Übungsleiter*innen mit Einwanderungsgeschichte seien Türöffner für den Breitensport. Bislang wurden abseits der regulären Übungsleiter-C-Ausbildungen 107 Übungsleiter*innen mit Einwanderungsgeschichte qualifiziert. Diese sind in Sportvereinen, Kitas, Schulen, Qualifizierungszentren des SSB, Familienzentren etc. aktiv.

2. Offene Sportangebote

      Jeden Samstag finden an der Turnhalle der Gesamtschule Weierheide verschiedene Sportangebote statt, die offen für alle Kinder mit und ohne Einwanderungsgeschichte sind. Ziel dabei sei neben der Schaffung eines Bewegungsangebots, interessierte Kinder, die sich für eine angebotene Sportart begeistern, in einen passenden Verein zu vermitteln. Das Angebot werde sehr gut angenommen.

3. Sportangebot im Rahmen der Sommerschule

      Die Sommerschule ist ein Angebot für schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die im jeweils laufenden Schuljahr nach Deutschland gekommen sind. In enger Kooperation mit dem Stadtsportbund wird dort ein Sport- und Bewegungsangebot ermöglicht, welches die Sprachförderung im Rahmen der Sommerschule komplementär ergänzt. Im letzten Jahr fand die Sommerschule aufgrund der Flüchtlingssituation in größerem Rahmen statt. Über 300 Kinder und Jugendliche nahmen teil.

4. Das Ferienangebot „Schwimmen und Sprache“

      Gemeinsam mit Stadtsportbund und dem Behindertensport Oberhausen e.V. findet das Angebot in den Oster- und Herbstferien an Oberhausener Grundschulen statt. Zielgruppe sind Kinder in der Erstförderung, die im Rahmen des Angebot Deutsch- und Schwimmförderung erhalten. Seit 2016 konnten durch Angebote des Netzwerk Integration durch Sport insgesamt 356 Kinder das Seepferdchen-Abzeichen erhalten, 47 Kinder u. Jugendliche erlangten Bronze und 6 Kinder und Jugendliche Silber.

Vors. Erdas dankt Herrn Glahn für seine Ausführungen und bittet Herrn Roth, fortzuführen.

Herr Roth ist pädagogischer Leiter des Sportbildungswerk Oberhausen und Fachkraft für Integration durch Sport beim Stadtsportbund Oberhausen (SSB). Er stellt zunächst den SSB als Dachverband der ca. 200 Oberhausener Sportvereine vor. Der SSB fungiert als Interessenvertretung für den Sport in Oberhausen und ist in verschiedenen Handlungsfeldern aktiv, u.a. Kinder & Jugendliche, Erwachsene & Senior*innen, Aus- und Fortbildung im Sport sowie Integration. Durch die Fachstelle für Integration durch Sport beim SSB werden Angebote organisiert, Vereine beraten und informiert. Auch Ausbildung und Qualifizierung sowie Netzwerkarbeit gehören zu den Aufgaben.

Herr Roth geht anschließend näher auf diese Aufgaben ein:

1. Organisation von Angeboten

      Als Beispiel für ein Angebot nennt Herr Roth den Sportgutschein, der im Februar in zweiter Auflage erschienen und an allen Oberhausener Grundschulen verteilt worden ist. Der Sportgutschein ermöglicht allen Erstklässler*innen in Oberhausen eine kostenfreie 6-monatige Mitgliedschaft in einem der teilnehmenden Oberhausener Vereine. Bis Ende Juni können die Kinder den Gutschein einlösen und erhalten dadurch die Möglichkeit, erste Kontaktpunkte zu Sportvereinen in Oberhausen zu bekommen.

2. Information und Beratung der Vereine

      Der SSB unterstützt Vereine bei der Entwicklung und Umsetzung von Projekten. Zudem gibt es Stützpunktvereine, die gefördert werden. Hier nennt Herr Roth die „Stützpunktvereine Integration“. Darüber hinaus berät der SSB die Vereine bei weiteren Fördermöglichkeiten, bspw. für das Landesprogramm „1.000x1.000“.

3. Ausbildung und Qualifizierung

      Neben regulären Qualifizierungen für Interessierte und Übungsleiter*innen finden verschiedene Seminare und Weiterbildungen statt. Herr Roth nennt hier bspw. die Veranstaltungen „Fit für die Vielfalt“, „Sprache und Bewegung im Sport- und Freizeitbereich“, „Achtsam statt neunmalklug“ und „Rassismus im Sport“.

 

Vors. Erdas dankt Herrn Roth für die Einblicke in das Handlungsfeld. Anschließend übergibt sie Herrn Telli das Wort.

Herr Telli nimmt Bezug auf die in TOP 2 besprochene Anregung des Integrationsrats vom 06.12.2022 und den zusammenhängenden Ratsbeschluss vom 06.02.2023. Die Ausführungen von Herrn Glahn und Herrn Roth hätten gezeigt, welche integrativen Potenziale im Sport nutzbar sind und welchen Beitrag der Sport zum Zusammenleben in der Stadt leisten kann. Herr Telli stellt einen Vorschlag vor, Integration durch Sport als Beitrag zur Gemeinwesenarbeit in Oberhausen-Lirich zu nutzen und ein entsprechendes Vorhaben umzusetzen. In Oberhausen seien mit dem DJK Arminia Lirich als Stützpunktverein Integration, der Wunderschule, der Alevitischen Gemeinde Alt-Oberhausen und dem Quartiersbüro Alstaden-Lirich verschiedene Akteure vorhanden, die viele Synergiepotenziale für eine Zusammenarbeit bieten. Näheres zu dem Vorschlag folge in einer der kommenden Sitzungen.

Frau Demirci dankt Herrn Glahn, Herrn Roth und Herrn Telli für die Vorstellung. Ihr war vor dem Vortrag bereits bekannt, dass Sport sehr gut geeignet ist, Menschen verschiedener Herkunft niederschwellig zusammenzubringen, Begegnungen zu schaffen und ins Gespräch zu kommen. Der Vortrag habe nochmal deutlich gemacht, welche Integrationskraft der Sport hat, wenn die richtigen Akteure zusammenkommen.

Frau Demirci befürwortet, das Instrument „Integration durch Sport“ ebenfalls zu nutzen, um die Gemeinwesenarbeit in Oberhausen-Lirich zu stärken. Aus eigener Erfahrung könne sie nur betonen, dass Projekte, die „nah am Mensch“ sind und im Alltag der Menschen ansetzen, die größte Chance haben, erfolgversprechend zu sein. Frau Demirci bekundet für diese Vorgehensweise die vollste Zustimmung.

Herr Hoff dankt für die Vorstellung der Angebote. Er regt an, bei dem vorgestellten offenen Sportangebot, Angebote für Frauen und Mädchen in den Blick zu nehmen.

Herr Schmidt bemerkt, dass in den Vorträgen deutlich geworden sei, dass Integration durch Sport ein komplexes Handlungsfeld ist, in dem es vieles zu berücksichtigen gilt. Er dankt Herrn Glahn, Herrn Roth und dem Integrationsrat als Ganzes für die geleistete und gelungene Arbeit.

Weitere Anmerkungen werden nicht geäußert. Vors. Erdas beendet den TOP.

Der Integrationsrat nimmt den Bericht zur Kenntnis.