15.02.2022 - 3 Ausbildungspatenschaftsprojekt "Bildungsbrücke"

Beschluss:
zur Kenntnis genommen
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Beratung

Vors. Erdas begrüßt Herr Artur Sotula und Herr Ralf Langnese von der „Ruhrwerkstatt - Kultur-Arbeit im Revier e.V.“ und bittet sie, das Projekt vorzustellen. Sie merkt an, dass dieser TOP an den TOP 2 der letzten Sitzung zum Thema „Migrantenökonomie als Chance für Beschäftigung und Ausbildung für Jugendliche unter 25 Jahren mit Migrationshintergrund“ anknüpft.

 

Herr Sotula stellt die Eckdaten des Projekts vor (siehe Anlage 1). Als Hintergrund des Projekts nennt Herr Sotula verschiedene Erkenntnisse des Sozialberichts der Stadt Oberhausen. Dort wird festgestellt, dass überdurchschnittlich viele Jugendliche nach Beendigung ihrer Schulpflicht in die Arbeitslosigkeit übergehen.

 

Mit dem Übergang Schule/Beruf widmet sich das Projekt einer großen Herausforderung. Schwerpunkt des Projekts „Bildungsbrücke“ ist eine 1 zu 1 Begleitung durch ehrenamtliche Pat*innen. Die ehrenamtlichen Bezugspersonen sollen durch die angebotene Hilfe den Leistungsdruck der Jugendlichen vermindern bzw. abfedern. Die bisherigen Pat*innen haben diverse berufliche Hintergründe. Von den Ehrenamtlichen wird ein erweitertes Führungszeugnis verlangt, um sicherzustellen, dass sie mit schutzbedürftigen Jugendlichen arbeiten dürfen.

 

Die Ruhrwerkstatt arbeitet im Rahmen des Projekts mit der Fasia-Jansen-Gesamtschule zusammen. Die Schule hat signalisiert, dass die Bedarfe bei dem Thema groß sind.

 

Herr Sotula informiert darüber, dass momentan erneut Pat*innen gesucht werden. Hier wendet er sich direkt an die Anwesenden, da die Mitglieder des Integrationsrates auch als Multiplikator*innen fungieren und somit ein großes Netzwerk ansprechen.

 

Vors. Erdas dankt Herrn Sotula für die Vorstellung des Projekts und fragt nach, ob mit weiteren Schulen kooperiert werde. Herr Sotula antwortet, dass bislang ausschließlich mit der Fasia-Jansen-Gesamtschule kooperiert werde, da diese im Programmgebiet liegt. Auf die Frage von Vors. Erdas, wann die neuen Pat*innen starten antwortet Herr Sotula, dass jetzt Pat*innen gesucht werden. Grundsätzlich ist auch möglich, im Laufe des Jahres einzusteigen.

 

Dezernent Schmidt betont, dass ein Erfolg im Bereich Übergang Schule/Beruf davon lebt, dass Leute sich engagieren. Er glaubt, es ist notwendig, die Zielgruppe über diesen Weg zu erreichen und bittet die Mitglieder des Integrationsrates herzlich, sich mit der Thematik bzw. mit dem Projekt auseinanderzusetzen.

 

Herr Telli bemerkt, dass jedes Engagement in dem Bereich lobenswert ist. Sobald die Lage es zulässt, kann ggf. eine Besuchsreihe in Vereinen, Moscheen und Organisationen durchgeführt werden, bei denen die Ruhrwerkstatt näher für Pat*innen werben kann, um Patenschaftstandems zu bilden. Er fügt jedoch kritisch zum Themenbereich an, dass die Strukturen für ein koordiniertes Vorgehen im Themenfeld Übergang Schule/Beruf fehlen. Wer koordiniert? Wer monitort was? Was bringt das jeweilige Projekt konkret? Welche Wirkung wird entfaltet? Herr Telli verweist auf verschiedene Akteure in dem Feld, bei denen die Abgrenzung und Zielsetzung bzw. Überschneidung sowie Koordinierung zu klären sind: Die Koordinierungsstelle Übergang Schule/Beruf, das Kommunales Integrationszentrum mit dem Handlungsfeld Übergang Schule/Beruf sowie neue im Gespräch befindliche Formate wie „Joblinge“. Hier gelte es zu klären, wie effektiv die Maßnahmen sind: Werden die gesetzten Ziele erreicht?

 

Herr Sotula berichtet, dass diese strukturellen Probleme bekannt und auch in anderen Kommunen in ähnlicher Form vorhanden sind. Die Methode des Projekts „Ausbildungspatenschaften“ besteht in anderen Städten zum Teil seit etwa 20 Jahren. Evaluationen zeigen, dass der Ansatz wirksam ist.

 

Frau Paspaliari greift den Aspekt „Joblinge“ auf. Sie fragt Herr Sotula, ob sie ihn richtig verstanden habe, dass das Projekt „Joblinge“ keine Überschneidungspunkte zum Projekt „Bildungsbrücke“ habe und daher kein „Kannibalismus“ unter den Projekten zu befürchten sei.

 

Herr Sotula antwortet, dass er das Projekt nicht genau genug kenne, um dies abschließend zu bewerten. Er betont erneut das Alleinstellungsmerkmal, dass die Pat*innen den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Dies mache das Projekt besonders niedrigschwellig.

 

Herr Langnese bemerkt dies ebenfalls. Ohne abschließende Bewertung sei zu betonen, dass das Programm „Bildungsbrücke“ ohne einen festen Rahmen sehr individuell und gleichberechtigt ausgerichtet sei - der Rahmen wird gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet. Zudem richte sich das Projekt der Ruhrwerkstatt insbesondere an Jugendliche, die im sozialen Umfeld nicht die Unterstützung erfahren, die sie benötigen. Darin liege womöglich ein wesentlicher Unterschied zum Projekt Joblinge.

 

Herr Sahin begrüßt das Projekt Bildungsbrücke sehr und sichert jegliche Unterstützung zu.

 

Herr Demirci fragt, wie groß der Zeitaufwand erfahrungsgemäß ist, den Pat*innen aufbringen müssen. Herr Sotula antwortet, dass die Pat*innen erfahrungsgemäß im Durchschnitt zwei Stunden pro Woche für ihr Engagement einbringen. Das kann auch bedeuten, dass in Phasen, in denen Bewerbungen geschrieben, Bewerbungsgespräche geübt werden, sehr zeitintensiv zusammengearbeitet wird und anschließend - bspw. wenn Rückmeldungen der Bewerbungen ausstehen - ruhige Wochen folgen, in denen wenig Zeitaufwand für die Ehrenamtlichen besteht.

 

Vors. Erdas dankt Herrn Sotula und Herrn Langnese für die Ausführungen und beendet den TOP.

 

Der Integrationsrat nimmt den Bericht zur Kenntnis.