07.12.2021 - 2 Migrantenökonomie als Chance für Beschäftigung ...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 2
- Gremium:
- Integrationsrat
- Datum:
- Di., 07.12.2021
- Status:
- gemischt
- Uhrzeit:
- 17:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Beratung
Vors. Erdas begrüßt Herrn Yunus Ulusoy vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung zum TOP und bittet ihn, den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Migrant*innen-Ökonomie als Chance für Beschäftigung und Ausbildung“ vorzustellen. Herr Ulusoy führt die Anwesenden in die Thematik ein. Er geht im Besonderen auf den Zugang junger Migrant*innen zur Ausbildung ein und nennt Zugangshürden zum Ausbildungsmarkt (siehe Anlage 1). Herr Ulusoy betont, dass Betriebe eine gezielte Ansprache benötigen, um sie als Ausbildungsbetriebe fit zu machen. Um Migrantenbetriebe als Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, sei die zielgruppenspezifische Ansprache besonders relevant. Hier seien Wirtschaftsförderung, Kammern und Innungen gefragt.
Vors. Erdas dankt Herrn Ulusoy für die Einführung in die Thematik und fasst zusammen das eine nähere Befassung der Kommune mit dem Thema viel Potenzial beinhalte und allgemein - auch im Rahmen von Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt - eine große Chance für Oberhausen darstellt. Anschließend steht Herr Ulusoy für Rückfragen zur Verfügung.
Es gibt verschiedene Wortmeldungen:
Frau Demirci betont, dass die Förderung migrantischer Ökonomie auch in finanzieller Hinsicht positive Aspekte für die Kommune bereithält. Daneben hebt sie hervor, dass es bei dem Thema zentral auch um Chancengleichheit geht.
Ausbildung und Beschäftigung, so Frau Demirci, bieten vor allem für junge Menschen die Möglichkeit, neue Perspektiven und Wege zu eröffnen. Eine geregelte Erwerbsarbeit fördert finanzielle Unabhängigkeit und schafft damit zentrale Voraussetzungen für aktive gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung.
Vor diesem Hintergrund betont Frau Demirci, dass die Kommune insbesondere für junge Menschen entsprechende Förderung bereithalten müsse, um längere Phasen der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen zu reduzieren. Sollten statistische Daten zeigen, dass unter den Arbeitslosen U25 ein hoher Anteil einen Migrationshintergrund hat, sollten entsprechende zielgruppenspezifische Angebote vorgehalten und ausgebaut werden.
Herr Demirci schließt sich dem an und hebt den Beitrag hervor, den migrantische Ökonomie zu einer positiven finanziellen Entwicklung unserer Stadt schon jetzt leistet und auch weiterhin leisten kann. Dies mache das Thema zu einem, welches wir als Kommune konstruktiv und zielgerichtet angehen sollten.
Neben Maßnahmen zur Verringerung von Jugendarbeitslosigkeit seien auch aktiv Angebote für Unternehmensgründungen vorzuhalten. Herr Demirci zitiert hierzu den Wirtschaftsstaatssekretär des Landes NRW, Christoph Dammermann: „Unternehmer mit Migrationshintergrund haben sich zu einem wahren Jobmotor entwickelt.“
Herr Yilmaz betont neben Chancengleichheit und potenziellen wirtschaftlichen Aspekten zuletzt den Beitrag, den die Förderung ethnischer Ökonomie für das gemeinsame und friedliche Zusammenleben in Vielfalt leisten kann. Wenn deutlich wird, dass Unternehmerinnen und Unternehmer aus den migrantischen Communities in Oberhausen Jobs und Ausbildungsplätze für die Bürgerinnen und Bürger in unserer Kommune schaffen, wird dem oftmals negativen Bild und der problemorientierten Herangehensweise (Arbeitslosigkeit etc.) ein greifbares positives Bild entgegengesetzt.
Herr Ciftci bedankt sich bei Herrn Ulusoy für den Vortrag und erkundigt sich, ob es genauere Zahlen zur Lage vor Ort in Oberhausen und zudem konkrete Anlaufstellen gibt, an welche sich Unternehmensgründer für reguläre Förderangebote wenden können.
Herr Ulusoy antwortet, dass statistische Daten auf lokaler Ebene durch die Agentur für Arbeit erhoben werden. Er betont die Wichtigkeit einer zielgruppenspezifischen Ansprache und Informationsvermittlung. Hierbei weist er jedoch auch darauf hin, dass im Begriff „Selbständigkeit“ auch steckt, für sich „selbst“ verantwortlich zu sein und „ständig“ beharrlich dranzubleiben, sich selbst zu informieren nach eigenen Möglichkeiten.
Vor diesem Hintergrund plädiert er dafür, Regelangebote für alle Menschen zu öffnen - soweit dies die Hürden sind. Auch beim Thema Ausbildung und Beschäftigung für junge Migrant*innen gebe es Hürden. Hier sei neben zielgruppenspezifischen Angeboten auch die Bereitschaft der jungen Menschen zu fördern, aktiv die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten zu nutzen, darunter bspw. Jobangebote in naheliegenden Städten und verschiedene Berufe (nicht nur den „Lieblingsberuf“) in Betracht zu ziehen. Da Migrant*innen bei klassischen Bewerbungsverfahren weiterhin strukturell benachteiligt sind, sei dies für kurzfristige Erfolge ein pragmatischer Lösungsansatz.
Herr Ulusoy bestätigt die vorherigen Wortmeldungen und befürwortet eine nähere und konkrete Auseinandersetzung mit der Thematik ausdrücklich, um die Situation vor Ort insbesondere für junge Menschen zu verbessern und mehr Chancen zu ermöglichen.
Herr Telli greift anschließend die Frage von Herrn Ciftci auf und stellt verschiedene Zahlen vor, welche in der monatlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit abgebildet werden (Arbeitsmarktreport Stadt Oberhausen, November 2021). In den statistischen Daten sei nicht ersichtlich, inwieweit bspw. Langzeitarbeitslosigkeit oder Jugendarbeitslosigkeit bei Migrant*innen auftrete. In der Statistik wird lediglich nach Staatsangehörigkeit differenziert.
Vors. Erdas fasst die Wortbeiträge anschließend zusammen. Sie dankt Herrn Ulusoy für die heutige Einführung, welche der Integrationsrat als Aufschlag versteht, um sich als Kommune intensiver mit dem Thema migrantische Ökonomie und Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit auseinanderzusetzen.
Um sich in dieses Thema qualitativ einarbeiten zu können, müssten unbedingt Zahlen und Fakten geliefert werden zu Fragen wie:
- Wie sieht die migrantische Ökonomie in Oberhausen aus?
- Welche Unterstützung erfahren sie?
- Wie viele Betriebe haben wir?
- Wer kann ausbilden, wer kann nicht ausbilden?
- Wie ist der Branchenmix, wie ist die Dynamik?
- Kurz: Welches Potenzial steckt dahinter?
Parallel dazu brauche es eine kultursensible Ansprache und Begleitung, um passgenaue Lösungen für die Jugendlichen und auch für die Unternehmen zu entwickeln: Wer passt zu wem? Gerade vor dem Hintergrund multipler Problemlagen ist das Zusammenbringen und die Begleitung der Jugendlichen und Unternehmen überaus entscheidend.
Vors. Erdas legt dar, dass es eigentlich eine kuriose Situation ist: Die Lösung der Problematik und die permanente Verfolgung von Daten wäre grundsätzlich eine Aufgabe von regulären Stellen wie Jobcenter, Arbeitsagentur und Wirtschaftsförderung. Leider zeige die Realität etwas Anderes.
In diesem Zusammenhang zeigt sich Vors. Erdas erfreut, dass das Land NRW weitere KIM-Stellen (siehe TOP1) zur Verfügung stellen möchte. Für diese Botschaft dankt sie Herrn Schmidt und Herrn Stein.
Daher, so Vors. Erdas, ist zu überlegen, ob es sinnig wäre, eine der kommenden KIM-Stellen, angesiedelt beim Kommunalen Integrationszentrum, mit der Aufgabe zu betrauen. Diese Frage stellt sie ins Plenum: Wäre das ein Lösungsansatz, den Oberhausen verfolgen sollte?
Dabei betont sie nochmal, dass dieser Weg nicht bedeutet, dass die regulären Stellen ihre Verantwortung los sind. Der Integrationsrat wird sicherlich immer wieder daran erinnern.
Herr Schmidt dankt der Vorsitzenden und der Geschäftsstelle für die Behandlung des Themas, welche in Zukunft eine wesentliche Bedeutung spielen wird. Das Thema betreffe unterschiedliche Aufgabenfelder und sei insbesondere auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel (Beispiel: KiTa) eine Chance, offene Stellen zu besetzen. Herr Schmidt betont ebenfalls, dass das Thema weiterverfolgt werden soll, ohne andere aus der Pflicht zu nehmen. Hier sieht er die Aufgabe bei der Wirtschaftsförderung (OWT), um Brücken zu bauen und alle an einen Tisch zu bringen, um die positiven Potenziale, welche dieses Thema bietet, für Oberhausen zu nutzen.
Der Integrationsrat nimmt den Bericht zur Kenntnis, stimmt dem Vorschlag von Vors. Erdas zu und beauftragt die Geschäftsstelle, zusammen mit dem Kommunalen Integrationszentrum/Dezernat 3, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
