04.04.2019 - 3 Feuersalamander in NotVortrag der Biologischen ...

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Beratung

Herr Schlüpmann von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet führt als Fachmann für Herpetologie in die Thematik der tödlichen Infektionskrankheit des Feuersalamanders durch einen Pilz namens Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans) ein. Die Tiere selbst weisen eine sehr individuelle Zeichnung aus Längsstreifen oder Flecken in Reihe entlang der Flanken und des Rückens auf. Die auffällige schwarz-gelbe Musterung ist eine Warnfarbe, die auf die Toxizität des Hautsekrets (Alcaloide) verweist. Dieses Sekret schützt den Feuersalamander weitgehend vor Pilzen und Parasiten. Die Larven des Feuersalamanders werden vollständig im Mutterleib entwickelt und noch in der Eihaut abgelegt. Die Larven sind durch helle Flecken am Beinansatz gut zu identifizieren. Die Verbreitungsgebiete des Feuersalamanders werden anhand einer Deutschlandkarte vorgestellt. In der Mitte Deutschlands und im Westen ist eine hohe Verbreitung gezählt worden. Der linke Niederrhein ist eine vom Feuersalamander nicht besiedelte Zone. In Oberhausen findet man den Feuersalamander im Laubwald, insbesondere in Buchenwaldbeständen, im Bereich der Quellbäche oberhalb der Mergelkuhlen im Sterkrader Wald. Von der Bsal-Infektion ist die Hautpilzerkrankung Bd (Batrachochytrium dendrobatidis) zu unterscheiden. Diese Erkrankung wurde in Deutschland durch aus Ostasien eingeführte Labortiere, die Krallenfrösche, eingeschleppt. Die Infektion ist bei fast allen Amphibienarten nachgewiesen. Anhand eines umfangreichen Monitorings in den Jahren zwischen 2003 und 2010 konnte bei einer Gesamtzahl von ca. 3000 Tieren eine Befallsrate von 7.5% festgestellt werden. Die Population ist durch Bd nicht bedroht.

 

Anders verhält es sich mit der Sterblichkeitsrate bei Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans); hier tritt der Tod der Tiere nach ca. 10 - 15 Tagen nach der Infektion ein und erreicht einen Mortalitätswert von mind. 98%. Die Krankheit wurde durch Terrarientiere aus Großbritannien über die Schweiz nach Deutschland eingeschleppt. In der freien Natur wird Bsal durch den Feuermolch übertragen, der bei geringer Mortalität eine lange Pilztragezeit von 40 - 120 Tagen aufweist. Erste Nachweise der Erkrankung wurden schon 2004 an konservierten Totfunden geführt. Ein erster Freilandbefall wurde 2016 in der Eifel nachgewiesen. 2017 wurden infizierte Tiere in Essen (Zentralfriedhof, Stadtwald) gefunden. 2018 startete das Monitoring in Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig und der Universität Trier. In Bochum, Mülheim a.d.Ruhr und Witten-Annen konnten Infektionen durch Laborergebnisse verifiziert werden.

 

Die Pilzerkrankung Bsal führt beim Feuersalamander zu Hautläsionen und auch zu Sekundärinfektionen. Eine Heilungsmethode ist derzeit nicht bekannt. Bei konstanter Wärme über 25 Grad Celsius trocknet der Pilz aus. Diese Bedingungen sind aber nicht herstellbar, zumal der Feuersalamander im Temperaturbereich von 10 - 15 Grad Celsius nachtaktiv unterwegs ist.

 

Um eine weitere Übertragung der Erkrankung zu vermeiden appelliert Herr Schlüpmann an die Einhaltung von Hygienemaßnahmen. Während bei Bd eine Austrocknung von Laborgeräten und Stiefeln genügt, reicht das bei Bsal nicht. Hier ist es generell sinnvoll Feuchtbereiche möglichst nicht zu betreten und mitgeführte Hunde angeleint zu lassen. Als Desinfektionsmittel zur Reinigung der Schuhe kommt 70% Brennspiritus in Frage (Sprühflasche). Wechselschuhe im Fahrzeug zu haben ist ebenso notwendig. Eine weitere Desinfektionsmöglichkeit ist eine 1%-ige Virkon-S-Lösung, die auch in der Landwirtschaft Verwendung findet. Diese Lösung hat eine rosa Färbung, die mit der Zeit verblasst und damit anzeigt, dass das Mittel nicht mehr wirksam ist. Virkon-S-Lösung ist zudem toxisch für Wassertiere und sollte daher nicht im Bereich von Wasserflächen und Böden in Ufernähe angewandt oder aufgetragen werden. Herr Schlüpmann appelliert insbesondere an die Profis wie Behördenmitarbeiter, Förster, Biologen und Jäger, aber auch an alle ehrenamtlichen Naturschützer, diese Hygienemaßnahmen anzuwenden. Wenn auch nur eine geringe Chance auf Rettung der Feuersalamanderpopulation besteht, sollte zumindest nicht aktiv zu ihrem Untergang beigetragen werden. Für ihn ist absehbar, dass der Feuersalamander in absehbarer Zeit eine Rote-Liste-Art wird.

 

Herr Bahne bedankt sich für den sehr informativen Vortrag und bittet um Fragen aus dem Beirat.

Frau Schiemanowski findet diese Situation beängstigend und fragt, ob der Klimawandel und die heißen Sommermonate hier eine gewisse Linderung bringen könnten? Da die Tiere nachtaktiv sind und die heißen Temperaturen meiden wird hier kein messbarer Effekt erwartet.

 

Herr Filarsky findet grundsätzlich alle Maßnahmen die dem Schutz der Art dienen sinnvoll. Er fragt, ob der Einsatz der chemischen Lösungen im Bereich von Laichgewässern großflächig erfolgen sollte? Da die Strukturen der Laichgewässer eher linear verlaufen kann damit keine Eingrenzung erreicht werden.

Herr Filarsky würde gerne eine Veröffentlichung einer Fachinformation zur Problematik Bsal und Feuersalamander in der Zeitschrift „Rheinisch-Westfälischer-Jäger“ vermitteln.

 

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